Wohnen

Das große Wagnis – mit dem Partner zusammenziehen

Für unsere Generation ist es wohl das letzte große Wagnis mit unsicherem Ausgang: Mit dem eigenen Partner zusammenziehen. Als ich mit meinem Freund diesen Schritt gewagt habe, gab es auch viele kritische und skeptische Kommentare, mein Freundeskreis konnte sich nicht richtig vorstellen, wie das bei so jungen Menschen funktionieren sollte. Heute leben wir zwei Jahre zusammen und können es uns anders eigentlich nicht mehr vorstellen. Aber dafür war durchaus einiges an Arbeit nötig.

Traut ihr euch das zu? Dann zeige ich euch heute, welche Kompromisse wir treffen mussten, sodass unsere Beziehung bis heute sehr gut verläuft.

1. Persönliche Kompromisse

Das Wichtigste zuerst: Du wirst persönliche Kompromisse eingehen müssen, denn keine zwei Menschen sind identisch. Im Grunde geht es darum zu wissen, was der Partner möchte und wie ihr gemeinsam eine für beide zufriedenstellende Lösung finden könnt. Unterhaltet euch also eingehend über eure persönlichen Werte, Orientierungen, Zukunftsvorstellungen. Im Idealfall habt ihr Vieles davon sowieso schon diskutiert, doch wenn ihr etwas Wichtiges noch nicht wisst, dann ist jetzt die Zeit zu fragen. Egal, ob dein Partner leidenschaftlich Briefmarken sammelt oder für eine bestimmte Partei auf die Straße geht – spezielle Eigenschaften können sich schnell zum Krisenherd auswachsen. Also redet darüber!

Welche Werte sind mir wichtig? Welche meinem Partner?

Mindestens genauso wichtig sind neben den individuellen Ausprägungen auch eure Vorstellungen für die Zukunft. Welche Wünsche, Ängste und Ziele habt ihr? Für euch allein, für den anderen, für euch beide. Wollt ihr Kinder, wie steht ihr zu Erziehungszeiten und Kitas (falls relevant)? Ihr müsst beileibe nicht euer gesamtes Leben durchplanen, doch ihr solltet euch bewusst sein, dass unterschiedliche Lebensvorstellungen schneller als gedacht zur Trennung führen können. Und dann muss die gemeinsame Wohnung umständlich und oft noch im Streit aufgelöst werden.

All das habt ihr in einer stabilen und glücklichen Beziehung wahrscheinlich sowieso schon geklärt – umso besser! Ich möchte es an dieser Stelle nur noch einmal erwähnen: Beschädigte Beziehungen werden durch die neue große Nähe zueinander nicht automatisch besser! Dazu gehört viel Arbeit, die euch bewusst sein muss!

2. Finanzielle Kompromisse

So unangenehm es sein mag: Um das liebe Geld werdet ihr beim Zusammenziehen nicht herumkommen. Und wenn ihr dann gemeinsam lebt, werdet ihr noch öfter darüber sprechen müssen – gewöhnt euch also schon mal daran.

Sprecht also deutlich darüber, was und wie viel sich jeder von euch beiden leisten kann und möchte. Nicht jeder möchte zentral oder geräumig wohnen und dafür entsprechend blechen. Findet hier also einen fairen Kompromiss. Das betrifft für die Wohnungssuche zunächst einmal die potenziell mögliche Miete, aber damit hat sich die Angelegenheit leider noch nicht erschöpft. Dazu kommen Kaution (und Maklergebühren), laufende und kommende Nebenkosten und vielleicht sogar die Frage nach den Lebensmitteln. Versucht einfach herauszufinden, was ihr euch auf Grundlage eurer beider Wünsche leisten könnt und wollt und ob das für beide noch akzeptabel und gut zu erreichen ist.

Photo einer möglichen Finanzaufstellung eines PaaresHier kannst du die Finanzaufstellung als Excel-Datei herunterladen.

Nicht immer muss man alle Kosten hälftig teilen. Wenn einer noch ein gesondertes Arbeitszimmer benötigt oder generell etwas Größeres oder Zentraleres möchte oder vielleicht sogar wesentlich mehr verdient, kann es sehr fair sein, das in den jeweiligen Anteilen aufzugreifen. Vielleicht zahlt dann auch nur einer sein eigenes Netflixabo. Es ist definitiv kein Scheitern, wenn ihr euch für eine solche Aufteilung entscheidet!

3. Praktische Kompromisse

Photo unseres Regals mit Figuren
Ihr solltet jedem seinen Platz für seine persönlichen Gegenstände geben.

Habt ihr die ersten zwei Hürden erfolgreich genommen, folgt der letzte, praktische Teil. Alles, was ihr jetzt „nur noch“ erledigen müsst, sind Vereinbarungen treffen, wie eure gemeinsame Wohnung aussehen wird. Wessen Möbel verwendet ihr? Was muss (gemeinsam oder von je einem) neu gekauft werden? Welchen Wohnstil wollt ihr haben? Falls ihr euch selbst noch nicht so sicher seid oder es später im Zweifelsfall etwas einfacher haben wollt, sollte jedes Möbelstück nur von einer Person gekauft werden. Die Gesamtsumme, die jeder ausgibt, solltet ihr der Gerechtigkeit halber dabei auch im Blick haben.

Photo unserer Wohnzimmerwand mit Büchern und Figuren
In unserem Wohnzimmer finden Gaming, Lesen und Gemütlichkeit zusammen.

Weiterhin kann es sinnvoll sein, Aufgaben im Haushalt zu verteilen, sodass kein zu großes Ungleichgewicht entsteht. Fordert die Einhaltung dessen dann auch ein! Gerade dieser Punkt gestaltet sich oft sehr schwierig – gar nicht mal unbedingt aus bösem Willen. Eine Vereinbarung zwischen euch beiden kann da Wunder wirken.

Zuletzt: Habt keine Angst vor diesem Abenteuer!

Auch wenn es in den letzten Absätzen vielleicht so klang, als wäre Zusammenziehen ein riesiger Arbeitsaufwand, ist es das nicht. Es erfordert einige Basisüberlegungen und -kompromisse, sodass man sich eine solide Grundlage für das gemeinsame Leben aufbauen kann.

Wenn man dann aber jeden Morgen gemeinsam aufwacht, dann ist das wirklich ein großartiges Gefühl, das die Verbundenheit zum anderen nochmal auf ein ganz neues Level hebt. Lasst euch einfach auf dieses Abenteuer ein und besteht es gemeinsam!

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